Die Schlichtheit erzeugt eine edle Ambiance

Die Schlichtheit erzeugt eine edle Ambiance

Das Innere der renovierten Bergtrotte Osterfingen wurde nach anderthalbjähriger Bauzeit gestern erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die Eingriffe in das gut 400 Jahre alte Gebäude fielen behutsam aus. Auch der Anbau fügt sich diskret in den Hang ein. – VON JEAN-CLAUDE GOLDSCHMID

Lange hatte man auf diesen Tag gewartet, gestern war es nun so weit: Peter Trachsler und Timo Batzlen von Spühler Partner Architekten, Zürich, gewährten gemeinsam mit der Schaffhauser Denkmalpflegerin Flurina Pescatore einen ersten Einblick in die renovierte und erweiterte Bergtrotte Osterfingen.

Und das Ergebnis der fast anderthalbjährigen Arbeit kann sich sehen lassen. Entstanden ist nämlich ein Bau, der Alt und Neu in vorbildlicher Weise miteinander verbindet. Der Neubau wurde so dezent in den Hang hineingebaut, dass man ihn von Weitem – etwa wenn man mit dem Auto nach Osterfingen fährt – eigentlich gar nicht wahrnimmt, wie Flurina Pescatore im Rahmen ihrer Ausführungen betonte. Architekt Peter Trachsler hielt dazu fest, dass sich die Erweiterung auf die Integration in die Landschaft und die Anbindung an die bestehende Baute konzentrierte. Das Baudenkmal Bergtrotte bleibe dabei weiterhin konsequent als separates Gebäude erkennbar.

Beizli und Eventraum
Herzstück des Neubaus ist das Beizli mit integrierter Weinfachbibliothek und einer grosszügigen Glasfassade, wo regionale Produkte präsentiert werden. Dazu gibt es einen Eventraum, der ebenso wie das Beizli in der Kubatur exakt der Hanglage folgt. «Mit diesen beiden Räumen wird neu ein ganzjähriger Betrieb möglich sein», so Trachsler.

Das Beizli und der Eventraum lassen sich flexibel miteinander kombinieren und ermöglichen damit die unterschiedlichsten Anlässe. Trichterförmige Oberlichter lassen auch Tageslicht in diesen neuen «Weinkeller» mit seiner 30 Meter langen Ausstellungswand fallen.

Ehrenplatz für die Baumtrotte
Aber auch im alten Teil der Trotte haben die Architekten ganze Arbeit geleistet. Hier fallen vor allem der ebenso schlichte wie edle neue Steinboden auf, ausserdem die Bühne, die neu den östlichen Abschluss des Saals bildet. Der alte Teil wird weiterhin unbeheizt bleiben, um die ursprüngliche Ambiance dieses historischen Fachwerkkleinods aus dem Jahr 1584 zu erhalten.

Einen neuen Ehrenplatz fand auch die Baumtrotte, die aus dem Saal entfernt wurde. Sie steht neu vor der Trotte bei deren Eingang, überdacht von einem Betonaufbau. «So sollen auch Wanderer diese Baumtrotte bewundern können, während sie bisher im Innern des Gebäudes für Ortsunkundige fast ein wenig versteckt war», sagte Trachsler.

Einen Kompromiss fand man bei den Parkplätzen. Es stehen nun deren 40 zur Verfügung. Dabei hat laut Trachsler auch der Respekt vor den Anwohnern zu dieser Entscheidung geführt, da sich diese vor einem neuen, ganzjährigen Eventraum in unmittelbarer Nachbarschaft zunächst fast ein wenig gefürchtet hätten.

Insgesamt treten die neuen Bauten in minimaler Form in Erscheinung, während der Altbau nach denkmalpflegerischen Massgaben saniert wurde. Die Form- und Materialsprache wurde bewusst schlicht gehalten und stärkt in ihrer reduzierten Form den Ausdruck der verschiedenen Bauteile.

«Gesamtheitlicher Raumeindruck»
Sehr zufrieden zeigte sich gestern denn auch Flurina Pescatore. «Das denkmalpflegerische Erhaltungskonzept zielte darauf, die Bergtrotte entsprechend ihrer geschichtlichen Bedeutung zu erhalten.» Dazu habe auch eine Kontrolle der letzten Restaurierungsmassnahmen aus den 1960er-Jahren gehört. Die hölzerne Treppe im Saal, der Podestboden sowie das Geländer aus jener Zeit habe man dabei als nicht schutzwürdig beurteilt.

«Wichtigstes Ziel war, den gesamtheitlichen Raumeindruck und das einheitliche Äussere stärker zu gewichten als die verschiedenen Bauphasen», so Pescatore, die darauf hinwies, dass die Bergtrotte im Verlauf ihrer Geschichte zweimal vergrössert wurde. Ein wichtiges Anliegen sei auch gewesen, die technischen Einrichtungen in den neuen Annexbau zu integrieren. Dem habe man entsprochen.

Finanzierung Die Spendengelder für den Umbau sprudelten – jetzt ist der Pächter gefordert
Die neue Bergtrotte steht – aber auch in der Kasse stimmt es jetzt. Lange war nämlich unsicher, ob die nötigen Spendengelder für den Umbau des Osterfinger Vorzeigebaus auch zusammenkommen würden. Noch im Februar fehlten rund 73 000 von den anvisierten 350 000 Franken (die SN berichteten). «Diese nötigen Spendengelder sind nun schon seit etwa einem halben Jahr beisammen», sagt der Wilchinger Gemeindepräsident Hans Rudolf Meier. «Die Finanzierung des Umbaus ist somit unter Dach und Fach.» Wenn man bedenke, was man nun geschaffen habe, seien die Investitionen in den Umbau auch gar nicht so gross gewesen, findet Meier. «Günstiger hätten wir keine umgebaute Bergtrotte haben können.» Weitere Spender seien aber nach wie vor willkommen.

Ein anderes Thema sind die 150 000 Franken Eigenkapital, die der Pächter für die Betreiberfirma Berggeist AG einbringen muss –also Simon Adam. «Ich bin zuversichtlich, dass der Betrieb wirtschaftlich geführt werden kann», sagt Gemeindepräsident Meier dazu: «Die Businesspläne stehen.»(jcg)

Einweihung Grosses Festwochenende geplant
Am Freitag, 9. Oktober,schlägt die grosse Stunde der Bergtrotte. Dann wird sie nämlich um 18 Uhr mit einem Galaabend für geladene Gäste feierlich eingeweiht. Moderiert wird der Abend vom Standup-Comedian Claudio Zuccolini. Fürs Kulinarische ist Simon Adam verantwortlich, fürs Musikalische der Männerchor Osterfingen-Wilchingen sowie Ernst Wirz und seine Band.

Am 10. und 11. Oktobergeht dann das grosse Trottenfest für die Öffentlichkeit über die Bühne – mit Festbeizen, Kinderattraktionen, musikalischer Unterhaltung, vielen regionalen Produkten und Pferdefuhrwerkfahrten.(jcg)

Legende Artikelbild: Der Umbau der sanierten und erweiterten Osterfinger Bergtrotte setzt auf einen Mix aus alten und neuen Gestaltungselementen. Bild Selwyn Hoffmann